Was ist eine Gewerkschaft?
Autor: AnjaGewerkschaften sind demokratische und freiwillige
Zusammenschlüsse von Arbeitnehmern zur
Wahrung ihrer gemeinsamen Interessen.
Gewerkschaften vertreten die Interessen der lohnabhängig Beschäftigten. In ihnen organisieren sich Menschen, um die eigenen Arbeits- und Lebensbedingungen aktiv mitzugestalten und zu verbessern. Die Verkürzung der Arbeitszeit, gerechte und gute Löhne und Gehälter, ausreichend Freizeit und Urlaub, qualitativ hochwertige Ausbildungen – die Kette der Dinge, für die sich Gewerkschaften einsetzen und wo sie bereits viele Verbesserungen erkämpft haben ist sehr lang.
Eines der Kernarbeitsfelder von Gewerkschaften ist die Tarifpolitik. Das Recht darauf, sich gewerkschaftlich zu organisieren ist im Grundgesetz festgeschrieben (Art. 9 GG / Koalitionsfreiheit). Auch die Tarifautonomie ist grundgesetzlich verankert. Tarifautonomie bedeutet, dass Gewerkschaften und Arbeitgeber/ Arbeitgeberverbände Tarifverträge aushandeln und abschließen können – ohne die Einmischung des Staates. Tarifverträge regeln unter anderem:
- die Höhe der Löhne
- Arbeitszeiten
- die Dauer des Urlaubs
- Schutz der Gesundheit am Arbeitsplatz
- Kündigungsschutz
Weil Arbeitsschutzbestimmungen meist in Gesetzen oder Verordnungen verbindlich festgelegt werden, klären die Gewerkschaften außerdem Politiker und Regierungsbeamte über notwendige Standards und neue Forschungsergebnisse auf.
Gewerkschaften sind unabhängig von politischen
Parteien, Kirchen, Staat und Arbeitgeberseite.
Stichwort: “Einheitsgewerkschaft”: Die Einzelgewerkschaften des DGB zählen deshalb zu den mitgliederstärksten und einflussreichsten der Welt, weil sie sich auf die Formel “ein Betrieb – eine Gewerkschaft” verständigt haben, sich also in den Betrieben im Allgemeinen keine Konkurrenz machen.
Das ist nicht überall so:
- In Frankreich und Italien existieren parteigebundene Gewerkschaften.
- In Polen hat die Katholische Kirche starken Einfluss.
- In China gibt es keine vom Staat unabhängigen Gewerkschaften.
- In Japan sind Betriebsgewerkschaften manchmal von der Unternehmensführung mitfinanziert.
All das schwächt die Einheit der Arbeitnehmer/-innen. Unternehmer können Gewerkschaften dann einfacher gegeneinander ausspielen. Denn die Mitglieder der Gewerkschaften sind in erster Linie lohnabhängig Beschäftigte mit gemeinsamen Interessen, egal ob sich einige von ihnen Parteien wie der SPD, der CDU, der Grünen, der Linken oder anderen nahe fühlen und egal, ob und welcher Religion sie angehören.
Gewerkschaften kämpfen für die Interessen ihrer Mitglieder – wenn nötig mit Streiks und anderen Kampfmaßnahmen. Gewerkschaften haben sich Mitte des 19. Jahrhunderts entwickelt. Da es durch die Industrielle Revolution immer mehr ungelernte Stadtbewohner/-innen gab, die nichts als ihre Arbeitskraft (Lohnarbeit) zu verkaufen hatten, konnten die Arbeitgeber die Not der kinderreichen Familien ausnutzen und ausbeuterische Forderungen durchsetzen. Die Zustände waren damals von extrem langen Arbeitszeiten, Hungerlöhnen, Kinderarbeit, lebensgefährlichen Arbeitsplätzen und vielem mehr geprägt. Existenzunsicherheit und Verelendung weckten das Gefühl der Solidarität unter den Arbeiter/-innen und sie schlossen sich zusammen und führten Arbeitskämpfe gegen die Unternehmer. Die Gewerkschaften entstanden also, um die Unterlegenheit der Arbeitnehmer beim Aushandeln von Arbeitsbedingungen auszugleichen.“Alle Räder stehen still, wenn dein starker Arm es will”, heißt es in einem alten Arbeiterlied. Die Arbeitsniederlegung -der Streik- ist das zentrale Kampfinstrument der Gewerkschaften. Denn wenn nichts produziert wird oder die Aufträge nicht erledigt werden, gibt es auch keine Profite für die Unternehmer und das ist natürlich nicht in deren Sinne. Wenn die Unternehmer nicht bereit sind, auf die Forderungen der Gewerkschaften einzugehen, müssen die Gewerkschaften dieses Kampfinstrument einsetzen. Es gibt eigentlich keine andere Möglichkeit, den Forderungen Nachdruck zu verleihen, ohne unglaubwürdig zu werden. Das geht natürlich nur, wenn die Gewerkschaften den angedrohten Streik auch erfolgreich organisieren können. Schließlich müssen sie ihre Mitglieder mobilisieren und ihnen für die Dauer des Streiks ein Streikgeld zahlen können, das den Lohnausfall während der Arbeitsniederlegung einigermaßen ersetzt. Daher: Je mehr Mitglieder, desto voller die Streikkasse, desto stärker die Interessenvertretung durch die Gewerkschaften. In Deutschland ist das Streikrecht heute über das Grundgesetz garantiert und es gelten einige Regelungen für beide Seiten: So müssen die Unternehmervertreter mit den Gewerkschaften verhandeln. Diese dürfen aber nicht so einfach zum Streik aufrufen, sondern erst, wenn es trotz Schlichtung von dritter Seite weiterhin keinen Fortschritt bei den Verhandlungen gibt und eine Urabstimmung bei den Gewerkschaftern eine Mehrheit für Streikmaßnahmen ergibt.